Sehnen und Bänder – ohne Sehnen beim Pferd läuft nichts
Die Sehnen des Pferdes sind vor allem im Bereich der Sportpferde einer extremen Belastung ausgesetzt. Vergleichbar mit straffgespannten Seilen übertragen sie die Muskelkraft und verbinden Muskeln und Knochen miteinander. Im Gegensatz zu den Muskelsträngen besitzen Sehnen eine hohe Zugfestigkeit und eine geringe Dehnbarkeit. Das parallelfaserige und straffe Bindegewebe ist komplett zur Zugbeanspruchung gedacht. Das Gewebe der Sehnen ist enorm belastbar und besteht aus winzigen Fasern, Fibrillen und Kollagenfasern, die durch eine Zwischensubstanz verschmolzen sind. Die Belastbarkeit kann man daran erkennen, dass die oberflächliche Beugesehne des Pferdes im Galopp bis zu 16% gedehnt werden kann.
Am Pferdebein befindet sich am hinteren Teil des Röhrbeins die Beugesehne. Diese wiederum besteht aus drei voneinander getrennten Sehnensträngen:
- die oberflächliche Beugesehne
- die tiefe Beugesehne mit dem Unterstützungsband
- der Fesselträger bzw. der Fesselträgerapparat
An der Vorderseite des Pferdebeins sitzt der gemeinsame Zehenstrecker. Die Belastung auf diese Sehne ist relativ gering, weshalb sie auch nur selten in Mitleidenschaft gezogen wird.
Das Sehnengewebe kann als solches nur sehr begrenzt trainiert werden, da die Sehne nur sehr gering mit Blutgefäßen versorgt ist.
Am stärksten wird die tiefe Beugesehne und ihr Unterstützungsband, das als Spannband für das Hufgelenk dient, beansprucht. Es leistet die meiste Arbeit und ist somit auch am anfälligsten. Der Fesselträger eines auffußenden Pferdes nach einem Sprung von ca. einem Meter Höhe muss ca. 250 % seines Körpergewichtes abfedern können. Die oberflächliche Beugesehne immerhin noch 200 %. Die physikalische Zugbelastung ist in diesem Bereich sehr hoch und auch die Verletzungsgefahr ist hier am stärksten. Gerade für Sportpferde sind Sehnenschäden die häufigsten Gründe für ein Ausscheiden aus dem Sport.
Angeschwollene Sehnen beim Pferd – ein Warnsignal
Ein Sehnenschaden beim Pferd kann plötzlich auftreten, aber oftmals gibt es vorher kleine Warnsignale, die auf einen kommenden Sehnenschaden hinweisen. Hier ist vor allem eine vermehrte Wärme und Pulsation im Bereich des Fesselgelenks zu nennen. In Verbindung mit einem Druckschmerz sind dies meist erste Anzeichen, die vom Besitzer beachtet und nicht übergangen werden sollten. Durch schnelles Eingreifen in Form von Kühlen und ein paar Tagen entspannte Arbeit kann ein ernsthafter Schaden an der Sehne meist vermieden werden.
Sehnenschaden am Pferd – falsches Training
Ist es zur einer Schädigung der Sehne gekommen, kann dies mehrere Ursachen haben. Eine der wohl häufigsten Ursachen für einen Sehnenschaden ist ein mangelhaftes Training und die daraus resultierenden Konditionsmängel insbesondere der Muskulatur. Durch ein wenig konditioniertes, zu langes oder intensives Training wird die Belastung auf den Sehnenapparat erhöht und die Verletzungsgefahr der Sehnen beim Pferd steigt. Bedingt durch die zu hohe Belastung im Training findet häufig eine Muskelermüdung statt. Die ermüdeten Muskelfasern werden unelastisch und übertragen die Kraft ungedämpft auf die Sehne. Diese ist der Belastung nicht mehr gewachsen und es bilden sich als erstes feine Risse.
Sehnenverletzungen beim Pferd durch ungeeignete Böden
Ein tiefer, vielleicht noch unebener oder rutschiger Boden ist eine ebenso eine große Belastung für die Sehnen wie ein zu harter Boden. Treffen ungünstigerweise sogar alle drei oben genannten Punkte zusammen, findet eine extreme Belastung des Sehnenapparates des Pferdes statt. In vielen Fälle werden erste Warnsignale übersehen und ein Sehnenschaden ist oft vorprogrammiert.
Warnsignale, die beim Pferd auf einen Sehnenschaden hinweisen:
- leichte Lahmheit nach kurzer Belastung
- warme, leicht angeschwollene Sehnen bzw. Sehnenkapseln
- einseitige Entlastungen während des Stehens
- häufiges Liegen
- Stellungsfehler als Ursache für Sehnenprobleme beim Pferd
Zu einem Sehnenschaden beim Pferd kann es aber nicht nur durch falsches Training und nicht passenden Boden kommen, sondern auch durch Stellungsfehler oder eine falsche bzw. fehlende Hufbearbeitung. Sind die Fesseln zu weich oder zu lang oder neigt das Pferd zu einer zehenweiten oder rückbiegigen Stellung, ist die Verletzungsgefahr an der Sehne wahrscheinlicher als bei einem Pferd mit einem korrekten Körperbau. Bei der Hufbearbeitung und dem Hufbeschlag kann es durch das zu lang lassen der Zehen zu einer Einschränkung des Hufmechanismus kommen, welches das Pferd in seinem natürlichen Bewegungsmuster behindert.
Merke: Gerade der Sehnen- und Bänderapparat eines Pferdes ist erst mit ca. 6-7 Jahren fertig ausgereift. Werden junge Pferde zu früh im Sport eingesetzt, besteht immer die Gefahr, dass der noch nicht fertige Sehnenapparat früher oder später Schaden nimmt. Ein gezieltes und an das physische und psychische Alter angepasstes Training sollte immer im Vordergrund stehen. |
Pferde die schon in der Aufzucht keine optimalen Bedingungen hatten sind später als ausgewachsenes Reitpferd eher gefährdet, als Pferde die sich viel bewegen könnten und nicht schon in jungen Jahren an Übergewicht gelitten haben.
Nicht nur übergewichtige junge Pferde können später Probleme mit den Sehnen bekommen, sondern auch ausgewachsene Pferde, die mehr als nur einige Kilos zu viel haben. Das Übergewicht belastet nicht nur das Skelett, den Organismus und den Stoffwechsel, sondern auch den Sehnen- und Bänderapparat. Gerade dieser Apparat trägt eine Hauptlast und sollte nicht aus Gründen von Übergewicht eine erhöhte und ungesunde Last tragen müssen. Als weiterer Punkt sollte noch erwähnt werden, dass auch eine erbliche Disposition für schwache Sehnen in Frage kommen kann.
Verletzung, Überbelastung, Dauerbelastung – von der Entzündung bis zum Sehnenschaden
Bei Sportpferden sind Sehnenerkrankungen eines der häufigsten Gründe für eine Zwangspause. Wird eine Sehne über ihre Elastizitätsgrenze hinaus beansprucht, können entweder einzelne Fasern, ganze Faserbündel oder im schlimmsten Fall die ganze Sehne reißen (totale Ruptur). Die erste Folgeerscheinung einer Sehnenverletzung ist die Entzündung. Durch die Schädigung der Sehne kommt es in dem umliegenden Gewebe zu vermehrter Wärme, einer Schwellung und Schmerzen. Eventuell tritt auch eine Lahmheit ein. Durch die Entzündung startet der Pferdeorganismus einen ersten Versuch der Heilung.
Eine Entzündung kann in drei verschiedene Stadien eingeteilt werden:
- akut
- subakut
- chronisch, dieses schließt sich an die zwei vorhergehenden Stadien an.
Eine Sehnenverletzung ist in den meisten Fällen das Ergebnis einer akuten Überbelastung. Eine Überlastung der Sehne kann z.B. beim Aufkommen nach dem Sprung, während eines Rennens oder aber auch, wenn sich das Pferd auf der Weide vertritt, entstehen. Das zerstörte Sehnengewebe wird nur sehr schlecht erneuert und bildet ein unelastisches Narbengewebe, dessen biomechanische Eigenschaften viel schlechter sind. Das Narbengewebe ist durch seine verminderte Elastizität eher empfänglich für neue Risse in der Sehnenfaser.
Als Notfall sollte immer eine offene Verletzung an der Sehne betrachtet werden, da sich hier zusätzlich noch eine Infektion einnisten kann.
Die richtige Therapie beim Sehnenschaden – wie viel Ruhe tut der Pferdesehne gut?
Die Behandlung einer Sehnenverletzung beim Pferd ist sehr langwierig und verlangt vom Besitzer eine Menge Geduld, da sich meist an die Akutbehandlung ein monatelanges Bewegungsprogramm anschließt. Oftmals kann der Tierarzt durch Abtasten der Sehne schon unter einem akuten und einem chronischen Sehnenschaden unterscheiden. Bei einer akuten Sehnenverletzung ist die Sehne oft verdickt, erwärmt und druckschmerzempfindlich. Um die Diagnose sicher zu stellen, kommt ein Ultraschallgerät zum Einsatz. Die sonographische Untersuchung ist bisher die vielversprechendste Diagnostik, aber auch röntgenologische, szintigraphische oder thermographische Diagnostiken kommen zum Einsatz. Jedoch bei weitem nicht so erfolgreich, wie der Einsatz eines Ultraschallgerätes.
Zeit spielt bei einer Sehnenverletzung eine entscheidende Rolle. Möglichst schnell sollte eine gezielte Behandlung begonnen und ein individueller Rehabilitationsplan erstellt werden. Die Therapiewege sind sehr unterschiedlich, alle haben aber das Ziel, die ursprüngliche Belastbarkeit der Sehne wieder herzustellen. Durch das neugebildete Narbengewebe, welches nicht die gleiche Qualität besitzt wie ursprüngliche Sehnengewebe, ist es oft schwierig, die Sehne vollständig wieder herzustellen.
Empfohlen wird, bei akuten Sehnenschäden als erstes kalte Umschläge unter Anwendung verschiedener Medikamente auf zu bringen Diese sollen zur Abschwellung und zur Schmerzlinderung beitragen. Die lokale Kältetherapie wird lediglich in den ersten Tagen nach der Verletzung eingesetzt. Das minimiert die entstandenen Blutungen im Sehnengewebe.
Nach dem Abklingen der Schwellung wird meistens begonnen, durchblutungsfördernde Einreibungen aufzutragen. Auch eine Wärmetherapie wird in vielen Fällen empfohlen, da Wärme die Durchblutung des geschädigten Gewebes fördert. Auch die Magnetfeldtherapie kann die Durchblutung und den Abbau von Stoffwechselprodukten fördern.
Der Einsatz der Stoßwellentherapie ist mittlerweile umstritten. Auch die Alternative Medizin bietet bei einem Sehnenschaden Möglichkeiten, die Heilung voran zu treiben. Als wirkungsvoll hat sich das Auftragen von Heilerde erwiesen. Diese kühlt das Bein und lindert die Entzündung. Aber auch verschiedene Kräuter wie z.B. Weiderinde, Mädesüß, Teufelskralle, Yucca, Klebkraut und Arnika wirken auf die Sehne entzündungs- und schmerzhemmend oder auch durchblutungsfördernd.
Besonders wichtig in der Behandlung von Sehnenverletzungen ist die kontrollierte Bewegung. Die Behandlung eines Sehnenschadens ist nur erfolgreich, wenn das individuelle Trainingsprogramm strikt eingehalten wird. Entgegen der früher vorherrschenden Meinung, das Pferd muss monatelange Boxenruhe halten, vertritt man heute die Meinung, dass das Bewegungsprogramm möglichst frühzeitig aufgenommen werden sollte, um eine Verklebung der Sehne zu vermeiden. In manchen Fällen ist es auch sinnvoll, das Pferd mit einem orthopädischen Beschlag zu versehen.
Allgemein gelten für die Bewegung bei Pferden mit akuten Sehnenschäden die Grundregeln:
- Vermeiden von unebenen und tiefen Böden (während der ersten Zeit ist Asphalt zumindest während der Schrittpause die beste Alternative)
- keine engen Wendungen gehen lassen
- keine Kaltstarts
Ein langfristiger Erfolg kann nur erzielt werden, wenn der Sehne genügend Ruhezeit gegeben wird. In der Regel bedeutet das eine 2-3 monatige Schrittphase bzw. später leichte Trabphasen (möglichst auf der Geraden). Je nach Schwere der Verletzung kann der gesamte Heilungsverlauf zwischen 4 und 12 Monaten dauern.
Kann man Sehnen beim Pferd durch richtiges Futter unterstützen?
Die geschädigte Sehne kann mit einer gezielten Fütterung unterstützt werden. Am wichtigsten sind zu Beginn, gerade wenn eine Entzündung in der Sehne sitzt, die Versorgung mit ungesättigten Fettsäuren, wie z. B. dem Leinöl oder mit entzündungshemmenden Kräutern wie z.B. die Teufelskralle, Weiderinde oder Yucca. Diese Extrakte sind im NutriScience Easo Flex enthalten und eignen sich zur therapeutischen Unterstützung während der akuten Phase. Nach der ganz akuten Phase ist vor allem das Füttern von Antioxidantien wie Vitamin E, C und Selen sehr hilfreich. Sie sind im Körper als Radikalfänger tätig und mindern die Gewebeschädigung. In der Phase der Regeneration werden vom Körper hauptsächlich Glykosaminoglykane und Schwefel in großen Mengen verbraucht. Auch hier kann der Pferdebesitzer mit einer Fütterung von Chondroitinsulfat, Glucosamin, MSM oder Methionin unterstützend eingreifen. Somit eignen sich hier das MobiCare oder ArthriAid sowohl in der Phase der Regeneration als auch zur Vorbeugung von Schäden am Sehnenapparat beim Pferd.
(c) Quellennachweis:
Dr. Gert Müller: Sehnenerkrankungen bei Pferden – Ursachen und Behandlung
http://www.dr-gert-mueller.de/fileadmin/user_upload/Bilder/PDF/Sehnenerkrankungen_bei_Pferden.pdf
Dorothea Weber: Therapiemöglichkeiten bei Sehnenschäden des Pferdes
http://www.tierarztpraxis-zuck-ehrenfels.de/uploads/vortraege/therapiemoegl_sehnenschaeden.pdf
http://www.pferdeklinik-am-kirchberg.de/html/leistungen/orthopaedie/therapie.html
http://www.reitzeit-magazin.de/162.html
http://www.enpevet.de/Lexicon/ShowArticle.aspx?articleid=41826